Das Feld der Tätigkeit 

Es gab einmal einen gewissen heiligen Mann, der sein ganzes Leben in einem Wald gelebt und jeden Tag zu Gott gebetet hatte, er möge ihn in sein Herz schließen. Das ging immer weiter so, bis er schließlich dachte, es würde niemals geschehen. 
Aber eines Tages, als er niederkniete, sprach eine Stimme: „Gehe in die Stadt, und verlasse sie durch das Tor und, direkt außerhalb dieses Tores, bitte den Bauern, dessen Hütte du dort siehst, um Unterkunft.“ 
Der heilige Mann dachte bei sich: „Jetzt ist es bestimmt soweit, nach allem, was vorher geschehen ist.“ 
So ging er durch das Tor, und da war die kleine Hütte. Er trat ein, und der 
Bauer gab ihm Unterkunft; aber er sagte zu ihm, daß er sehr beschäftigt sei, und kehrte zur Arbeit zurück. Vierzehn Tage lebte der heilige Mann mit dem Bauern; aber er dachte, der Bauer wäre ein ziemlich armer Geselle, denn am Morgen stand er auf, und alles, was er tat, war ein Nicken mit dem Kopf vor einem kleinen Schrein, und dann ging er hinaus zur Arbeit, den ganzen Tag. Abends, wenn er heimkehrte, nickte er wieder, ging ins Bett und schlief die ganze Nacht. 
Am Ende der vierzehn Tage sprach die Stimme wieder. Diesmal sagte sie zu ihm, er solle einen Kelch besorgen, ihn mit Olivenöl füllen und einmal, ohne einen Tropfen zu vergießen, rund um die Stadt wandern. Deshalb dachte er bei sich: 
„Jetzt ist es endlich soweit!“ 
Er besorgte sich also einen Kelch, füllte ihn mit Öl, wanderte ganz vorsichtig rund um die Stadt und verschüttete keinen Tropfen; damit hatte er die Aufgabe erfüllt. 
Dann hörte er die Stimme wieder: „Hast du an Mich gedacht, während du das Öl rund um die Stadt getragen hast?“ 
„Warum“, sagte er, „wie könnte ich? Ich mußte auf das Öl aufpassen!“ 
Da antwortete die Stimme: „Aber in deinem Herzen hast du gering von dem armen Bauern gedacht, der jeden Morgen einen Gedanken aus sich heraus zu Mir sandte, und der dann den ganzen Tag auf dem Feld der Tätigkeit arbeitete. 
Abends verbeugte er sich spontan erneut, und so schickte er Mir seine Gedanken, bevor er zur Ruhe ging. Du hingegen hast ein ganzes Leben auf dem Feld der Untätigkeit verbracht, und als du auf das Feld der Tätigkeit gesandt wurdest, und das nur für kurze Zeit, hast du Mich vergessen.“ 

17.5.12 02:03

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